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Am 17.03.2011 um 19.30 Uhr hält Heinz Riepshoff, Leiter des Bauernhausarchivs in Syke, auf der Museumsdiele den Vortrag „Vom langen Weg des Schornsteins in unser Bauernhaus“ als Begleitveranstaltung zur Ausstellung „Vom Rauchhaus zur Wohnstube“.

Die Entwicklung des Rauchhauses, bei dem an manchen Tagen der Rauch aus allen Öffnungen quoll und die Wände des Fletts vom Ruß geschwärzt glänzten, zu einemBauernhaus mit abgetrenntem Wohnteil, tapeziertem Flur und gefliester Küche warein langer Weg. Während die bäuerliche Oberschicht schon früh eine Scherwand zwischen Flett und Diele einzog und mit einem Rauchabzug die Wohnverhältnisse verbesserte (Siebenmeierhof in Magelsen 1723 d) oder bei einem Neubau gleich ein querstehendes komfortables Wohnhaus mit einem Wirtschaftsteil zu einem T-Haus verband (Behrenhof in Thedinghausen von 1700 i), haben die letzten Rauchhäuser von Kleinbauern und Häuslingen noch 1945 keinen Schornstein besessen (Rauchhaus in Varrel). Die entscheidende Innovation war der Schornstein und er brauchte von seinen Anfängen bis zur Jahrhundertwende um 1900 mindestens zwei Jahrhunderte um sich durchzusetzen.

In den Rauchhäusern qualmte nicht nur der offene Herd, dazu kam im Winter der Rauch aus mindestens einem Hinterladerofen, bei größeren Bauernhäusern auch aus mehreren, die ihren Rauch in das Flett entließen. Das „Füerrähm“ hatte hierauf keinen Einfluss. War er oberhalb mit Brettern belegt, wurde der Rauch höchstens umgeleitet, weniger wurde er nicht. Die ersten Versuche waren Rauchabzüge aus einer Holzkonstruktion, die gegen Brandgefahr mit Lehm verschmiert waren und auf der Decke standen. Unter der Decke befand sich ein großer Schirm, ebenfalls aus einer Holzkonstruktion mit Lehmüberzug, der den Rauch auffangen und in den Rauchabzug lenken sollte. Diese Konstruktion war nur eine unzureichende Lösung und keine wirkliche Verbesserung. Trotzdem wurde sie häufig in Backhäusern übernommen, wo diese Rauchabzüge mit Schirm in mehreren Beispielen bis heute überlebten.

Etwas jünger ist die gleiche Konstruktion, jedoch der Rauchabzug aus Lehmsteinen oder schon aus gebrannten Ziegelsteinen gemauert, dann aber über dem Kammerfach stehend. Vor allem kleinere Häuser, meist Häuslingshäuser, hatten kein Flett mit offenem Herd, sondern eine offene Küchennische in der Mitte des Kammerfachs. Auch dort hatte man noch eine offene Herdstelle mit Rauchschirm.

Der Durchbruch gelang eigentlich erst in der Mitte des 19. Jh. mit dem Bau von Bauernhäusern, die rundherum mit gebrannten Ziegelsteinen errichtet wurden. Bei diesen Häusern war die Küche fast generell in die Mitte des Kammerfachs verlegt worden und sie verfügten bereits bauzeitlich über einen gemauerten Schornstein. Zeitgleich wurde der Wohnteil von der Viehdiele mit einer Scherwand getrennt, wodurch das frühere Flett als großer Wohnraum und Küche aufgegeben wurde und der Raum den Charakter eines städtischen Flurs erhielt. Von ihm gingen die Türen zu den einzelnen Wohnzimmern, Kammern und zur Küche ab. Der Flur wurde nach städtischem Vorbild gefliest oder um 1900 mit Terrazzo belegt (italienische Wanderarbeiter wurden von Haus zu Haus weitergereicht). Die Wände erhielten farbige Fassungen, nicht selten Schablonenmalereien oder sogar Tapeten und eine schön geschwungene Treppe führte in das Oberschoss zu den Schlafkammern und zur Räucherkammer.

Bewohner von älteren Bauernhäusern aus Fachwerk eiferten diesen Neubauten nach und so wurden auch diese mit einer Scherwand zwischen Flett und Diele getrennt. In der Mitte haben diese Scherwände immer eine zweiflügelige verglaste Tür, häufig noch zusätzlich links und rechts ein Fenster, an deren Gestaltung man gut das ungefähre Baujahr ablesen kann.

Der letzte Schritt zum städtischen Wohnhaus mit entsprechendem Komfort war die völlige Trennung des Wohnhauses von den Wirtschaftsgebäuden. Um 1900 setzte sich das querstehende Wohnhaus mit traufseitigem Eingang und Zwerchhaus durch. Um alle Wohnräume, Kammern und die Küche mit Öfen beheizen zu können, bekamen die Häuser mindestens zwei Schornsteine und es dauerte nicht lange bis die ersten Häuser einen großen Küchenherd bekamen, auf dem man nicht nur kochen konnte und die Küche warm hielt, sondern auch heißes Wasser für eine Schwerkraftheizung produzierte.

 

Die Kosten betragen 3,-- Euro, Anmeldung unter 04242-2527.

Dr. Ralf Vogeding
Museumsleiter